Vergleich Liegefahrrad - Normales Fahrrad

Seit Herbst 2007 gibt es in unserem Haushalt zwei Mistral SL Liegeräder der Marke Challenge.
Die Idee, auf Liegeräder „umzusteigen“, entstand zu einem Teil sicherlich auch aus Vorteilen, die ein Liegefahrrad verglichen mit einem Mountainbike oder Trekkingrad bietet. Es soll hier auch ganz klar gesagt werden, das Liegeräder genau wie normale Fahrräder Vor- und Nachteile haben und das ein weiterer wichtiger Aspekt der zum Kauf bewegte ganz einfach das Interesse an innovativen Techniken ist.
Ich bin in meiner Jugend viel auf einem Mountainbike unterwegs gewesen und hab auf diese Weise viele schöne Touren genossen. Nicht so gut zu genießen waren allerdings Strecken ab 20km aufwärts. Jeder weiß, wie unangenehm so ein zwickendes Unterhöschen werden kann, wenn man es über Stunden in den Allerwertesten gearbeitet hat.
Zwar gibt es natürlich Unterschiede sowohl durch die Haltung als auch durch den Sattel selbst, aber früher oder später wird man dran erinnert.
Als dann noch die ersten erstaunlich logischen, und wissenschaftlichen Berichte auftraten das sogar „benachbarte“  Körperteile in Mitleidenschaft gezogen werden können, da klingelten bei mir als jugendliches Bürschchen die Alarmglocken.

Fährt man in der Woche nur 10km, wird man sich auf das Argument natürlich kaum einlassen, was ich auch für absolut richtig und verständlich halte.
















Vorteile
Haltung und Bequemlichkeit
Es ist tatsächlich so, dass bei den Allermeisten, die es je ausprobiert haben, die Haltung auf einem Liegefahrrad als angenehmer empfunden wird, was ich selbst auch nur voll und ganz unterstützen kann. Speziell längere Touren sind sehr angenehm. Sportliche Fahrräder haben zudem oft den Nachteil, dass der Oberkörper möglichst weit nach vorne gekippt wird, um den Luftwiderstand gering zu halten. Nachteil dabei ist, dass die Handgelenke den Oberkörper permanent abstützen müssen, was sich nach einigen Kilometern ebenfalls sehr unangenehm bemerkbar machen kann. Außerdem bedingt der gesenkte Oberkörper, dass der Hals sehr weit ins Genick gekippt werden muss um geradeaus zu sehen.
Beide Nachteile haben Liegeräder nicht. Der Hals wird beim Liegerad zwar ebenfalls verhältnismäßig weit eingeknickt, allerdings in die andere Richtung. Wer sich nun vorstellt, er würde auf einer Liege liegen und müsste den Kopf ständig anheben, der wird sagen, dass es sicher nicht lange angenehm sein kann. Hier macht der Winkel offenbar den Unterschied. Bei alltagstauglichen Liegerädern ist der Oberkörper aufrechter als in einem Liegestuhl. Ferner ist der Sitzwinkel oft einstellbar.
Von einigen Menschen, die Fotos sehen oder von denen ich beim Fahren angesprochen werde, wird zuerst  vermutet, dass die Kopfhaltung unangenehm sein müsste. Ich kann jedoch hier noch einmal ganz deutlich sagen, dass die Sitzposition so eingestellt ist, dass sie wirklich überhaupt nicht unangenehm ist, auch nicht ein bischen!!!

Geschwindigkeit und Luftwiderstand
Ein weiterer Vorteil ist der geringere Luftwiderstand, der sich durch die Haltung auf einem Liegerad ergibt. Das dieser Vorteil nicht unerheblich ist wird deutlich, wenn man erkennt, dass der Luftwiderstand die größte Kraft ist, gegen die man beim Fahrrad fahren generell ankämpft. Im Vergleich hat man auf einem Liegerad in etwa den Luftwiderstand wie auf einem guten Rennrad, mit dem Vorteil der weit angenehmeren und gesünderen Haltung. In der Praxis ist man daher mit der gleichen Energie schneller unterwegs als auf einem normalen Fahrrad.
Zu recht wird dem einen oder anderen hier die Frage überkommen, warum Liegeräder nicht z.B. bei der Tour der France eingesetzt werden.
Liegeräder waren bereits um 1933 in aller Munde und wurden auch in Radsportrennen eingesetzt. Der Franzose Francis Faure  brach mit dem Liegerad Kurzbahn und Stundenrekord. Die Rekorde wurden jedoch nicht anerkannt. Die heutige UCI (Welt-Radsport-Verband) begründet das damit, dass Liegeräder zu große Geschwindigkeiten erreichen.
Wer die ganzen spannende Fakten nachlesen möchte kann das unter  http://www.liegerad-fernweh.de/tipps/Erfindung-des-Liegerads.php tun.

Ober- und Unterlenker
Bei vielen Liegefahrrädern kann zwischen Ober- oder Unterlenker gewählt werden. Auf den von uns genutzten Liegerädern kommt ein Unterlenker zum Einsatz. Ich bin bis jetzt nur kurze Zeit auf einem Liegerad mit Oberlenker probe gefahren und konnte dabei keine Einschränkung feststellen. Trotzdem denke ich das Unterlenker auf längeren Fahrten die bequemere Lösung sind, da die Arme eine recht entspannte Position einnehmen.
Der Oberlenker hat dabei Vorteile, weil er den Luftwiderstand noch mal verkleinert, da die Hände dicht beieinander vor dem Oberkörper gehalten werden. Zudem macht es die Fahrräder etwas schmaler.

Körperliche Belastung
Speziell Menschen, die mit den Bandscheiben Schwierigkeiten habe, können den Vorteil der gesunden Haltung nutzen. Unter den Liegefahrrädern gibt es auch so genannte Sessel-Fahrräder, auf denen man in  einer sehr  aufrechten Haltung sitzt. Bandscheiben werden au diese Weise
nicht so belastet, da der Rücken
grade bleibt.











Nachteile
Das Liegerad kommt allerdings auch nicht ohne Nachteile aus. Wie gravierend jeder einzelne davon ist, hängt viel davon ab, wann und wo das Liegerrad gebraucht wird. Es hängt auch vom Liegerad selbst ab, denn auch wenn Liegeräder noch nicht in jedem Discounter zu bekommen sind, so gibt es dennoch Unterschiede bis hin zu völlig verschiedenen Konzepten. Es gibt hohe Sitzpositionen für gute Übersicht im Verkehr, es gibt wendige Kurzlieger, extrem sportliche tiefe Liegeräder, und, und, und…
Für die oben bereits genannten Mistral SL von Challenge geltend, kann ich von folgenden Erfahrungen berichten:  

Unbefestigte bzw. Sandwege
Die Räder der Liegefahrräder haben oft kleinere Durchmesser und wenn der Untergrund beweglich ist, kann das durch den niedrigeren Schwerpunkt schwerer ausgeglichen werden.
Bei einem normalen Fahrrad kann man den Oberkörper als Ausgleichsgewicht einsetzen, um das Fahrrad bei unbefestigtem Untergrund oder langsamer Fahrt auszubalancieren. Beim Liegefahrrad ist der Oberkörper allerdings fest auf dem Sitz, was ihn  als Ausgleichsgewicht nur beschränkt einsetzbar macht. Daher muss man auf Sandwegen evtl. ein paar Meter schieben oder man nutzt es als Training, um sicherer zu werden.

Freihändig fahren
Freihändig zu fahren ist mit den meisten Liegerrädern nicht ohne weiteres möglich. Unter anderem auch deswegen nicht, weil wie schon erwähnt, der Oberkörper nicht so gut zum ausbalancieren eingesetzt werden kann. Einhändig fahren ist nach etwas Übung kein Problem, der freie Arm kann dann einfach auf den Schoss gelegt werden. Im Falle der Mistral SL hat man zudem eine Sitzposition, die es außerdem ermöglicht, den Schoss oder Bauch als „Ablagefläche“ zu nutzen. Brötchen, Gürteltasche, Mützchen, Six-Pack usw. können da gut kurzfristig gelagert werden.

Transpiration    
Das Schwitzen bei einer Sportart als Nachteil aufzuführen ist nicht besonders sinnvoll. Was hier nur einmal Erwähnung finden soll, ist der Umstand, dass man beim Liegerad fahren fortwährend den Rücke bedeckt hat. Aus diem Grunde kann der Schweiz am Rücken nicht verdunsten was dazu führt das selbst bei gemäßigtem Tempo Schweißflecken auf Kleidungsstücken im Rückenbereich entstehen.

Kosten für Liegeräder und Zubehör
Der größte Nachteil bei Liegefahrrädern sind sicher die Anschaffungskosten. Im Vergleich sind Liegefahrräder erheblich teurer als normale Fahrräder. Es lohnt sich allerdings trotz weniger Angebote Preise zu vergleichen. Es gibt einige Fahrradhändler, die hier nicht auf dem aktuellen Stand der Dinge sind, so dass man oft „abschreckende Preise“ bekommt, die sich um 3000 oder 4000 Euro belaufen. Diese Ansicht ist überholt!!! Marktführer liegen tatsächlich nicht weit darunter aber es gibt ebenso optisch ansprechende Liegefahrräder ab 1700 Euro (Stand: 2008) wie im Fall der Challenge Liegefahrräder.
Ein Vorteil, den der hohe Preis mit sich bringt ist ein meist sehr guter Service und die meist entsprechend der Erwartungen hohe Qualität der Liegeräder.
Wer ein Liegerad seiner Wahl z.B. im Internet ausfindig gemacht hat, kann sich in der Regel mit seinem Bestellwunsch einem normalen Fahrradgeschäft anvertrauen.



Sonstiges zu Liegefahrrädern
Umstellung
Die meisten werden sich die Frage schon gestellt haben, ob es schwer ist auf einem Liegefahrrad zu fahren. Es wird tatsächlich eine Umstellungsphase benötigt, die grundlegende Fahrtechnik ist allerdings die Gleiche wie bei einem normalen Fahrrad. Die Umstellung betrifft in erster Linie natürlich das Gleichgewichtsgefühl. Die ersten Runden kann man nach spätestens 30 Min. drehen. Bis man sich auch bei Gegenverkehr auf Radwegen und im Verkehr sicher fühlt, vergehen ca. 1 - 2 Wochen. Bei einem normalen Fahrrad hat man die eine oder andere Schrecksituation schon erlebt und Erfahrung gesammelt um z.B. richtig zu reagieren, wenn ein Rad ein Stück wegrutscht. Beim Liegefahrrad müssen diese Erfahrungen genauso erst einmal gesammelt werden, bis man gut und schnell reagieren kann.

Liegefahrrad und Transport  
Für den Transport im PKW muss Maß genommen werden. Da es meist eng wird, empfiehlt sich hier eher ein Fahrradhalter. Bei Fahrradhaltern kann es allerdings zu Problemen kommen, da diese meist auch auf die Geometrie eines normalen Fahrradrahmens aufbauen. Einen goldenen Tipp möchte ich hier von   http://www.cycling.de  weitergeben: Es gibt Fahrradhalter für eine Dachreling an PKW’s von Thule und Atera, die die Fahrräder nur an der Vorderradgabel und dem Hinterrad festhalten. Ein separater Arm, der den Rahmen festhält entfällt in dem Fall und macht die Träger auch super für viele Liegeräder brauchbar.
Das Vorderrad benötigt dafür einen Schnellspanner, um das Rad schnell abzumontieren und z.B. im Kofferraum transportieren zu können.

Liegeradfahrer als Verkehrsteilnehmer
Im Verkehr erfordern Liegeräder etwas Umstellung, da die Sicht nach hinten, wie beim Autofahren auch, nur mit Spiegeln möglich ist. Die Sicht nach hinten wird allerdings in der Praxis nur selten benötigt, da man mit dem Liegerad nicht oft Spurwechsel durchführt. An Ampeln ist die Sicht nach hinten ebenfalls nicht erforderlich, so dass man in Städten hier kaum Probleme bekommt. An Kreuzungen oder Zebra-Streifen, an denen es keine Ampel gibt, sollte man sich angewöhnen rechtwinklig zur kreuzenden Fahrbahn anzuhalten, da so keine Blicke nach hinten erforderlich sind. Der Blick zu den Seiten ermöglicht dann das Einsehen der Fahrbahn.
Vorsicht im Verkehr ist nicht nur geboten, weil der Liegeradfahrer sich umstellen muss und etwas Übung braucht um kniffelige Verkehrssituationen zu meistern, sondern auch weil andere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Autofahrer teilweise erheblich länger brauchen, um auf die ungewohnte Gestalt des Liegerades zu reagieren. Erschwerend kommt hinzu, dass man bei guten Wetterverhältnissen auch ohne weiteres mit über 30km/h unterwegs ist. Das hört sich lahm an, aber wer mal versucht, mit seinem normalen Fahrrad durchgehend 30km/h im Stadtgebiet auf dem Fahrradweg zu fahren, der erkennt schnell wie wenig Zeit zum reagieren bleibt.

Gepäck
Etwas, dass auch oft als Problem angesehen wird, ist
das Anbringen von Gepäckstücken. Hierzu sei
erwähnt, dass es genau wie beim normalen Fahrrad
auch auf das Zubehör ankommt. Liegeräder lassen
sich ebenso mit Gepäckträgern und weiteren
Gepäckhaltern ausstatten. Wer ein wenig Basteln
mag der kann mit recht geringem Aufwand einen
Rucksack an der Rücklehne befestigen der dann
bei Bedarf abgenommen werden kann. Für manche
Liegerräder werden solche Rucksäcke auch bereits
von Händlern angeboten.





Unfall
Das Thema Unfall wird manchmal den Vorteilen zugeordnet, was ich jedoch nach meinen gemachten Erfahrungen für bedenklich halte. Es ist richtig, dass die Beine schneller am Boden sind,  aber das angewinkelte Bein ist sehr viel schlechter zum Abstützen geeignet, als wenn es wie beim normalen Fahrrad ausgestreckt auf dem Boden steht. Nichts desto trotz der Abstieg vom normalen Fahrrad ist oft mit Schürfwunden an Handflächen und Gelenken verbunden, beim Liegerad sitzt man meist einfach nur auf dem Hintern, weil plötzlich das Liegerad nicht mehr darunter ist.
Wird man von einem Auto überfahren sieht man auf einem Liegerad nicht besser aus als auf einem normalen Fahrrad soviel ist sicher.


Fazit
Der aufmerksame Leser hat bemerkt, dass es durchaus Nachteile gibt. Der hohe Preis ist und wird auch noch lange ein triftiges Argument sein, was gegen den Kauf spricht. Viele der Nachteile sollten allerdings am eigenen Fahrradfahrverhalten überprüft werden. Sandwege sind z.B. nur dann ein Problem wenn sie auch gefahren werden, bzw. auf der Strecke liegen was in der Regel selten vorkommt.
Das größte Argument, was meiner Meinung nach für den Kauf spricht, betrifft die Bequemlichkeit. Jemand, der interessiert und neugierig ist, . Eine Probefahrt kann sehr aufschlussreich und zu zweit auch recht lustig sein. Auf Fahrradhändlerseiten im Internet ist hin und wieder die Rede von Händlern die Ihre Liegeräder auch zum Verleih bzw. für Schnupperkurse anbieten.
à http://www.jancordes.de/

   
Infos zu Mistral SL und andern Liegerrädern gibt es unter anderem auf www.challenge-recumbents.com.
Inhalt - Liegefahrräder
  Vorteile
  Nachteile
  Umstellung
  Liegefahrrad und Transport
  Liegeradfahrer als Verkehrsteilnehmer
  Gepäck
  Unfall
  Fazit
 
 
 
 
 
 
 
 
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