Inhalt - Lautsprecherbau
>Der Lautsprecherbau<
>Welche Box ist die Richtige<
>Die Gehäusekonstruktion<
>Die Oberfläche<
Die Gehäusekonstruktion

Wer nun die Wahl für seinen Bausatz getroffen hat der braucht ein passendes Gehäuse. Werden vom Hersteller schon konkrete Gehäusevorschläge gemacht, kann man sich daran orientieren. Es ist allerdings auch möglich der eigenen Kreativität freien lauf zulassen. Wer sich vornimmt von den Herstellerangaben abzuweichen, der sollte wissen, dass die Gehäuseform nur von untergeordneter Bedeutung ist, hier kann also relativ frei gewählt werden. Wichtig ist dagegen das die Gehäusegrößen bzw. Volumengrößen für jeden Schallwandler beibehalten werden und das das Gehäuse Prinzip natürlich erhalten bleiben sollte. Ist die Box als Bassreflex Ausführung vorgesehen muss auch ein Bassreflex Gehäuse konstruiert werden.

Die kreativen Freiheiten ergeben sich auch aus den vorhandenen Möglichkeiten. Es sollte bekannt sein welche Werkzeuge zur Verfügung stehen und welche Materialien beschafft werden können. Das Internet gibt hier Flexibilität, Kunststoffe, Leder, Farben, Folien, Holzfurniere, Metalle usw. können hier ohne große Schwierigkeiten gefunden und bestellt werden.

Auch bei den wildesten Ideen sollten drei Grundlegende Dinge bekannt sein:

Dichtigkeit
Damit die Lautsprecher die gewünschten Klangergebnisse erzielen können ist es von entscheidender Bedeutung, dass die erbauten Gehäuse absolut Luftdicht sind. Das ist auch bei Boxen der Fall die eine Öffnung wie z.B. einen Bassreflexkanal haben. Sowohl der Bassreflexkanal als auch die Schallwandler selbst benötigen für ihre Funktion ein Gehäuse das nur über vorgesehene Öffnungen Luftbewegungen zulässt.

Gehäusedämpfung
Innerhalb eines Gehäuses und auch im Hörraum entstehen so genannte stehende Wellen. Stehende Wellen werden durch parallele Wände verursacht an denen der Schall immer wieder hin und her reflektiert wird und sich dadurch verstärkt. Das passiert nur bei bestimmten Frequenzen, welche das sind hängt vom Abstand der Wände zueinander ab.
Die stehenden Wellen „schaukeln“ sich in einem Gehäuse so stark auf, dass sie die Wiedergabe des Schallwandlers negativ beeinflussen. Mit akustischen Dämpfungsmaterialien lassen sich diese Wellen auf ein Minimum reduzieren. Das Material muss nicht nur an den Wänden platziert werden sondern die Box locker ausfüllen. Der einzige Bereich der frei bleibt sollte direkt hinter dem Bassreflexrohr sein.

Materialstärke
Die einzelnen Wände des Gehäuses haben Resonanzfrequenzen, d.h. dass jede Wand bei einer bestimmten Frequenz anfängt sich aufzuschwingen. Die Höhe der Resonanzfrequenz hängt dabei vom Material, von der Größe der jeweiligen Wand und von der Materialstärke ab.
Um den Schwingungen entgegen zu wirken sollte z.B. bei MDF eine Wandstärke zwischen 16-22mm je nach Gehäusegröße nicht unterschritten werden. Bei Konstruktionen mit großen Flächen sind Verstrebungen zur Verstärkung der Gehäusewände ratsam.



Materialien für die Gehäusekonstruktion
Für den Aufbau bzw. die Konstruktion des Lautsprechergehäuses kommt nicht jedes Material in Frage, da diese ein paar akustische Eigenschaften haben sollten, die Störenden Effekten entgegenwirken können. Dazu gehört im Wesentlichen die Dämpfung um Resonanzen zu minimieren. Gleichzeitig ist es von Vorteil wenn sich die Materialien gut bearbeiten lassen und dadurch auch eine passendes „Outfit“ bekommen.
Wenn verschiedene Materialien in einer Konstruktion verwendet werden, sollte beherzigt werden, dass Materialien sich unterschiedlich stark ausdehnen was z.B. bei einer MDF Box mit Alublende zu unschönen Wellungen bei Aufstellung in Heizungsnähe führen kann.
Andere Materialien wie Folien sind meist sehr Dehnbar und können sich auch geschwungenen Oberflächen gut anpassen.

Spanplatte
Spanplatten sind in jedem Baumarkt zu bekommen und können dort
auf den mm zugeschnitten werden. Bei sehr kleinen
Gehäuseabmessungen sollte man sich vorher im Baumarkt erkunden
wie groß das Mindestzuschnittmaß ist,  meist liegt dieses zwischen
10 und 20cm. Spanplatte ist außerdem beliebt weil es sehr günstig
ist und leicht zu bearbeiten. 
Die akustischen Eigenschaften sind nicht so gut wie bei anderen
Stoffen, trotzdem ist es bei Materialstärken um 19mm immer noch
günstig und gut für eine Konstruktion geeignet.
Da Spanplatte speziell an den Schnittkanten recht grob Strukturen
haben kann, ist unbedingt darauf zu achten, dass das Gehäuse
später Luftdicht ist.
Die einzelnen Teile können sowohl verleimt als auch verleimt und
zusätzlich geschraubt werden. Wenn geleimt wird, ist der Druck in
den ersten Minuten der auf die Klebeverbindung einwirkt
entscheidend für die spätere Festigkeit. Wird geschraubt ist es
empfehlenswert die Schrauben zu Senken und später zu
überspachteln.  Die grobe Struktur des Holzes muss je nach
gewünschter Oberfläche der Box aufwendig nachbearbeitet werden.
Speziell für diesen Zweck gibt es in Baumärkten so genannten Füller
der ein Teil der Struktur ebenen kann. Wenn dieser nicht ausreicht
muss gespachtelt werden. Um dabei eine Ebene Fläche zu schaffen
ist ein wenig Überlegung und Fingerspitzengefühl nötig.


MDF
MDF-Platten sind den Spanplatten sehr ähnlich, haben jedoch eine
wesentlich feinere Struktur. Sie haben bessere akustische
Eigenschaften und sind etwas teurer als Spanplatten sind aber
mittlerweile ebenso gut in Baumärkten erhältlich. Auch hier können
mm-genaue Zuschnitte gemacht werden. Wenn der „Baumarkt des
Vertrauens“ sich ein wenig Mühe gibt und evtl. auch noch
angemerkt wird bei welchem Maß es auf Präzision ankommt,
dann kann ein Gehäuse oft direkt nach dem Zuschnitt ohne große
Nachbearbeitung Luftdicht zusammengesetzt werden. Eine äußere
Bearbeitung ist allerdings je noch Oberfläche meist trotzdem
erforderlich.    
Beim Verbinden der Einzelteile gilt das Gleiche wie im Fall der
Spanplatte, zusätzlich müssen Schraubenlöcher jedoch
vorgebohrt werden da Schrauben sonst abbrechen oder das
Material an Stirnseiten aufgespaltet wird.
Da die Struktur des Holzes wesentlich feiner ist gründliches
Schleifen und Grundieren absolut ausreichend.


Massivholz
Massivholz zu verwenden macht dann Sinn wenn auch die rustikal-edle Optik der Natur erwünscht ist. Die Beschaffung kann über den Holzfachhandel erfolgen und ist nicht immer über den Baumarkt möglich.
Die akustischen Eigenschaften hängen von der jeweiligen Holzart ab. In der Regel lässt sich jedoch festhalten, je fester bzw. robuster das Material ist, desto besser sind auch die akustischen Eigenschaften. Wer sich unsicher ist, verwendet eine verhältnismäßig starke Wandstärke.
Die Kosten hängen ebenfalls von der Holzart ab und können stark schwanken!  Schon beim Kauf sollte eine Eigenschaft von Hölzern beachtet werden. Wenn Holz nicht gut getrocknet bzw. gelagert wurde, fängt es mit sich ändernder Luftfeuchtigkeit an zu „arbeiten“, d.h. das sich das Holz unregelmäßig wirft und verzieht. Da Gehäuse unbedingt Luftdicht sein müssen, kann das zum Problem werden. Es sollte daher nur gut abgelagertes Holz verwendet werden und  sofort nach dem Aufbau der luftdichten Box mit geeigneten Lacken gründlich und allseitig vor Luftfeuteänderungen geschützt werden.
Sichtbare Stirnseiten der Holzwände sind in der Regel unerwünscht, daher sollten die Seiten auf Gehrung zusammengesetzt werden. Passende Gehrungen zu erzeugen die später eine luftundurchlässige Verbindung herstellen bedarf allerdings ein wenig Übung und entsprechendes Werkzeug.
Wer das Risiko nicht eingehen aber die Rustikale Optik auch nicht missen möchte, dem sollen hier Furniere empfohlen werden. Furniere sind dünne Natur-Holzschichten die z.B. auf einer MDF-Gehäusekonstruktion aufgeklebt werden. Die Schwierigkeiten bezüglich arbeitenden Holzes, Kanten auf Gehrung zu verbinden, allseitigem Nachbehandeln und hohen Materialkosten kann man so wirkungsvoll umgehen.
   

Acrylglas
Wer nicht  ganz so geizig ist, kann auch Acrylglas für die Konstruktion
verwenden. Durch das Internet ist die Beschaffung mittlerweile auch
als Privatkunde ohne weiteres möglich und sollte in ausreichenden
Stärken verarbeitet werden. Zuschnitte sind in der Regel auch hier
über entsprechende Händler erhältlich.
Acrylglas ist dabei ein Kunststoff, der wie andere Kunststoffe auch
einige „ungewohnte“ Eigenschaften bei der Verarbeitung aufweist.
Einige dieser Eigenschaften können bei einem Online-Händler
Namens Modulor.de in Erfahrung gebracht werden. Unter
www.Modulor.de KunststoffàPlatten
Werden zu den angewählten Materialien Hyperlinks für allgemeine und
spezielle Informationen zum jeweiligen Kunststoff angezeigt.
Etwas das auch beachtet werden sollte ist, das Temperaturverhalten.
Wird Acrylglas erwärmt dehnt es sich aus, kühlt es ab zieht es sich
auf kleinere Abmessungen zusammen die es vor dem erwärmen hatte.
Das Verformen unter wärme ist bis zu wenigen mm Stärke möglich und
kann z.B. für den Einsatz als Blende sehr anschauliche Effekte erzielen.
Vorsicht ist auch bei der Verarbeitung geboten, Fehler lassen sich
nicht „wegspachteln“ und fallen wie auch Kratzer recht schnell auf.
Beim Verbinden der Einzelteile kann speziell für Acrylglas erhältlicher
Klebstoff verwendet werden der mit durchsichtigen Klebestellen die
optische Konstruktion unterstützt. Dieser ist meistens beim selben
Händler erwerbbar.
Eine Schwierigkeit die etwas Kreativität erfordert ist die Tatsache das auch „durchsichtige“ Boxen nicht ohne Dämmmaterial auskommen was möglichst auch in der Mitte angebracht sein sollte.


Naturstein und Beton
Dieser Werkstoff hat sehr gute akustische Eigenschaften da man ihn kaum
in Schwingung versetzen kann. Optisch wirkt Naturstein sehr Edel.
Die Beschaffung ist etwas aufwendiger lässt sich aber über
Natursteinverarbeitende Betriebe abwickeln. Naturstein ist ein teurer
Werkstoff und erfordert oft noch teureres Werkzeug mit Diamantanteilen,
daher ist es Ratsam das Material bereits vom Natursteinverarbeitenden
Betrieb bearbeiten zu lassen. 
Auch Beton eignet sich zum Bau vom Boxen und hat wie auch Naturstein
hervorragende akustische Eigenschaften. Die Beschaffung ist über den
Baumarkt denkbar einfach.
Für den Aufbau von Betonboxen benötigt man eine Gussform, die
erheblichen Aufwand mit sich bringt. Um ein „hohles“ bzw. nicht voll
gefülltes Gehäuse zu bekommen sind ein inneres und ein äußeres
Gussform notwendig. In diesen müssen bereits Ausschnitte und
Aussparungen für die Schallwandler, Frequenzweichen usw. vorgesehen
werden.
Ein Nachteil der sowohl bei Naturstein als auch Beton gilt, ist das Gewicht. Sowohl Transport als auch Aufstellung können dadurch zum Problem werden. Jede Bandscheibe würde sich daher mit Sicherheit gegen eine 100kg Box entscheiden.